Wildes Würzburg!

Teil I: Die Würzburger Räterepublik

7. April 1919, nachmittags um 4 in Würzburg zwischen Dom und Neumünster: Der Revolutionär Anton Waibel ruft die Räterepublik aus. (Foto: Stadtarchiv)

Am 7. April 1919, nachmittags um 4 Uhr, steht auf dem Platz zwischen Dom und Neumünster, auf dem Dach eines Militärkraftwagens, der Schreiner und Kommunist Anton Waibel und ruft vor 3000 Leuten die Räterepublik aus.

In einem der Türme des Doms lauscht der Kirchendiener Matthias Seufert. Das Blut gefriert ihm in den Adern.

Er sieht den Revolutionär auf die alten Kirchenhäuser zeigen und hört, wie er sie „Brutstätten der schwarzen Brüder“ und „Verdummungsanstalten fürs Volk“ schimpft und ankündigt, Vergnügungslokale aus ihnen zu machen, wenn die Revolution erst mal siegreich sei.

Über solche Ideen kann man reden, aber nicht im katholischen Würzburg. Zwei Tage und zwei Dutzend Tote später ist die Würzburger Räterepublik Geschichte.

Ich erzähle die dramatisch-turbulente Geschichte eines revolutionären Halbjahres in Würzburg, von der Novemberrevolution 1918 bis zur Räterepublik im April 1919, von geplagten Würzburger:innen, Hunger, Angst, Gewalt und Krieg, von Generalstreiks und Geiselnahme und von geplatzten Träumen.

Ich erzähle auch vom Weg zur Revolution, warum sie bis ins katholische Würzburg kam, was die Revolutionäre taten, warum sie keine Chance hatten und worin ihre Niederlage mündete: in den Nationalsozialismus.


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