Würzburg gegen Ludwig Ganghofer

Wie der junge Schriftsteller in Würzburg seine Jungfräulichkeit für ein Linsengericht verschachern wollte

Ludwig Ganghofer
Ludwig Ganghofer. (1908 porträtiert von Friedrich August von Kaulbach.)

Im „Lebenslauf eines Optimisten“ berichtet der Dichter Ludwig Ganghofer, wie es ihm 1874 in Würzburg als Korpsstudent im Militärdienst erging: „Im fidelen Lärm der Kneipe war ich immer ein heißer Debatter. Bei allem Meinungsaustausch legte ich mit meiner kräftigen Kehle immer los wie ein schneidiger Rhetor. Nur beim Kapitel vom Weibchen konnte ich nicht mitreden. Noch immer, nun fast ein Zwanzigjähriger, war ich ein ungerupftes Hähnchen.“

Er hätte seine Jungfräulichkeit, „diesen unwissend behüteten Schatz meiner Jugend, gerne um ein Linsengericht verschachert in jeder nächsten Nacht“. Dabei, schreibt er, war in seinem Herzen „keine Sehnsucht, kein Wunsch und keine Wahl. Nur in meinem bedrückten Gehirne war der Wille zu dieser Tat immer drängender und heißer, je mehr ich mich meiner Abenteuerlosigkeit vor den klügeren Kameraden zu schämen begann. Doch so oft ich zur Donjuanerie einen kecken Anlauf nahm, war im entscheidenden Augenblick immer wieder dieses unüberwindliche Widerstreben da“.

Ein Rendezvous auf dem Main fällt ins Wasser

In einer kalten Dezembernacht des Jahres 1874 war es dann so weit. Ganghofer hatte ein Rendezvous mit Nannina, die er als „niedliche, schelmisch vergnügte“ Würzburgerin beschreibt. Im Geheimen, auf einem Obstschiff auf dem Main sollte es geschehen. Zwei „kleine Sklaven der experimentierenden Natur“ seien sie gewesen, berichtet er, und begannen „dieses blinde, hungrige und dennoch ungeschickte Küssen“.

Aber ach! Ein Krachen, ein Ächzen – das Schiff hatte sich vom Ufer losgerissen. Ganghofer steuerte den Kahn geistesgegenwärtig und mit knapper Not an den Pfeilern der alten Mainbrücke vorbei. Nach einer qualvollen Viertelstunde setzte er ihn auf Sand. Ludwig trug Nannina ans Ufer, „kein Zipfelchen ihres Rocksaumes wurde feucht“. Er hoffte auf zärtlichen Dank, aber Nannina „brach in jähzorniges Schelten aus“. Sie schien zu glauben, er habe die Stricke des Schiffes losgebunden. Und stürmte erbost und ohne ihn zurück nach Würzburg.

„Nachdenklich, über die Rätselnatur des Weibes grübelnd, setzte ich mich in den Straßengraben, zog die Sporenstiefel herunter und goss das Wasser heraus.“

Literaturtipp

Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten beim Projekt Gutenberg